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Die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e.V. (ZWST) vertritt auf dem Gebiet der sozialen Wohlfahrt die jüdischen Landesverbände, die jüdischen Gemeinden und den jüdischen Frauenbund. Sie bildet den Zusammenschluss der jüdischen Wohlfahrtspflege in Deutschland und ist ihre Spitzenorganisation. Die Wahrnehmung der gemeinsamen Interessen der jüdischen Gemeinden und Landesverbände ist eine zentrale politische und soziale Aufga-be der ZWST. Mit der Förderung und Unterstützung einer umfassenden Wohlfahrtspflege in den jüdischen Gemeinden in Deutschland leistet sie ihren Beitrag zur gemeinwohlorientierten, sozialstaatlichen Verfassung der Bundesrepublik Deutschland. Das verbandsspezifische Leitbild der ZWST basiert auf dem sozial-religiösen Konzept der "Zedaka" (hebr.). Zedaka steht für das Verständnis von Wohltätigkeit im Judentum, Hilfeleistungen zu erbringen im Sinne einer ausgleichenden sozialen Gerechtigkeit. Die organisierte jüdische Sozialarbeit steht auf der Basis einer religionsgesetzlich verankerten Wohltätigkeit.
Die jüdischen Zuwanderer aus der GUS bilden mittlerweile die Mehrheit in der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland, die in den letzten Jahren durch das starke Wachstum und Neugründungen von jüdischen Gemeinden tiefgreifende Veränderungen erfahren hat. Dieser Einschnitt bedeutet einerseits eine ungeheure Bereicherung für das Judentum in Deutschland und die deutsche Gesellschaft, hat aber auch starke Belastungen für die Gemeinden mit sich gebracht. Die Unterstützung der Gemeinden verbunden mit der sozialen Integration der Zuwanderer in die jüdische Gemeinschaft und deutsche Gesellschaft gehört daher zum zentralen Aufgabenbereich der ZWST. Beides, Integration der jüdischen Migranten sowie Stärkung und Ausbau der Infrastrukturen in den Gemeinden sind untrennbar miteinander verbunden und richtungsweisend für die Zukunft der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland. Aufgrund der knappen Ressourcen in den Gemeinden und vor dem Hintergrund des sozial-politischen Wandels ist eine stetige Erweiterung und Professionalisierung des sozialen Beratungs-, Betreuungs- und Fortbildungsangebot ein zentrales Anliegen der ZWST. Ein wesentliches Merkmal der Gemeinwohlorientierung und Wertegebundenheit auf dem Gebiet der jüdischen Wohlfahrtspflege ist die sozialanwaltschaftliche Funktion der ZWST: Darüber hinaus fördert, unterstützt und organisiert die ZWST nicht-entgeltfinanzierte soziale Dienste, Einrichtungen und Projekte in den Gemeinden. Eine grosse Rolle spielt im Zuge der Zuwanderung die Entwicklung von innovativen Unterstützungsstrukturen und Selbsthilfeangeboten, die den Auf- und Ausbau der Infrastrukturen in den jüdischen Gemeinden vorantreiben (Einrichtungen der Jugend- und Seniorenarbeit, soziales Ehrenamt, Vernetzungen mit anderen Gemeinden etc.). Auch gewährt die ZWST kontinuierliche Integrationshilfen für Neuzuwanderer, in dem vor allem in den dezentralen Wohnheimen und kleineren Gemeinden, in denen nicht ausreichend Kontaktpersonen und Beratungsstellen vorhanden sind, ein umfassendes Beratungs- und Betreuungsangebot für die Neuzuwanderer vor Ort zur Verfügung gestellt wird. Basierend auf den Neuregelungen durch das Anfang 2005 beschlossene Zuwanderungsgesetz wird sich der Aufgabenbereich der ZWST ausweiten. Hier ist es eine zentrale Aufgabe der ZWST, dieser gewachsenen Verantwortung für die zukünftige Zuwanderung gerecht zu werden und sie im Interesse der jüdischen Zuwanderer, der jüdischen Gemeinden und des deutschen Staates wahrzunehmen. Als sozialer Dienstleister trägt die ZWST zur Sicherung von Teilhabechancen bei: durch die Schaffung ähnlicher Startbedingungen auch für sozial Schwächere unterstützt sie die Integration der Zuwanderer in die jüdische Gemeinschaft und deutsche Gesellschaft. Zentral ist hier die Gewährleistung von Kontinuität und Professionalität der sozialen Arbeit. In diesem Zusammenhang befindet sich ein weiteres Standbein der sozialen Arbeit der ZWST im Aufbau: Die Integration von jüdischen Menschen mit Behinderung. Durch die Zuwande-rung ist die Zahl der jüdischen Menschen mit Behinderung stark gestiegen. Basierend auf der allgemeinen Annahme, dass 1% der Gesellschaft mit einer geistigen Behinderung lebt, dürften in der jüdischen Gemeinschaft mindestens 1.000 Mitglieder mit einer geistigen Behinderung leben. Dazu kommen die Menschen mit einer physischen und einer psychischen Behinderung. Die ZWST wird sich mit dieser Thematik intensiv beschäftigen und sie als festen Bestandteil ihres Aufgabenspektrums betrachten. Es ist das Ziel der ZWST, Eltern- und Angehörigengruppen zu fördern, die Entwicklung von Selbsthilfestrukturen zu unterstützen und die Integration physisch oder psychisch behinderter Menschen in das jüdische Gemeindeleben zu forcieren. Eine weitere wichtige Zielgruppe der ZWST ist die immer kleiner werdende Gruppe der Holocaustüberlebenden, die mit zunehmenden Alter verstärkt mit Erinnerungen an die Zeit im KZ oder Ghetto konfrontiert werden ("Retraumatisierung"). Jahrelang ist die ZWST davon ausgegangen, dass die Bilder der Vergangenheit von den Betroffenen erfolgreich verdrängt wurden. Doch mit zunehmendem Alter und der Auseinandersetzung mit Krankheit und Tod hat diese Generation mit verstärkten seelischen und psychischen Konflikten zu kämpfen, auf die die ZWST eine professionelle Antwort geben muss. Der ZWST ist es ein Anliegen, der Isolation dieser Gruppe entgegenzuwirken und ihnen Wege aufzuzeigen, mit ihren spezifischen Schwierigkeiten des Alters besser umgehen zu können. Im Rahmen verschiedener Projekte (Seniorenerholungen, Förderung von Treffpunkten, Anlaufstellen und Gesprächsrunden, Weiterbildung von Mitarbeitern in jüdischen Seniorenheimen) hat die ZWST ihre Arbeit mit dieser Zielgruppe intensiviert und beabsichtigt, weiter darauf aufzubauen. Die Professionalität der Hilfeleistungen und ihre effektive Ausrichtung an aktuellen Entwicklungen gewinnt zunehmend an Bedeutung. Eine zielgruppenorientierte und kontinuierliche Qualifizierung der haupt- und ehrenamtlichen Sozialarbeiter in den jüdischen Gemeinden gehört zum zentralen Aufgabenspektrum der ZWST. Vor allem im Bereich der psychosozialen Auswirkungen der Migration und Krisenintervention besteht ein starker Bedarf nach spezialisierter Weiterbildung, um im Rahmen sozialer Beratung und Betreuung angemessen mit diesen Problemen umgehen zu können. Es ist ein Grundanspruch der ZWST, auf gesellschaftlichen Wandel und daraus folgende neue soziale Problemlagen rechtzeitig reagieren zu können, indem neue Fortbildungsangebote geschaffen werden. Die angespannte Arbeitsmarktlage erschwert die berufliche und soziale Integration der Migranten. Soziale Zusammenhänge in den Familien werden brüchig, was alle Generationen zu spüren bekommen. Angebote für Senioren, um der Einsamkeit im Alter entgegenzutreten, Förderung der Jugendarbeit, Weiterbildung für Sozialarbeiter der Gemeinden, Orientierungsseminare für Neuzuwanderer - das sind nur einige Beispiele aus dem breiten Angebotsspektrum der ZWST. Zu dem professionellen Leistungsangebot der ZWST gehört auch die Unterstützung von Qualitätsstandards und das Qualitätsmanagement, um Werteorientierungen und Leitbilder zu aktualisieren und die Umsetzung der Qualitätsorientierungen in den sozialen Diensten sicherzustellen (z.B. in jüdischen Seniorenheimen). Alle sozialen Maßnahmen der ZWST zur Unterstützung der jüdischen Gemeinden und ihrer Mitglieder basieren auf dem jüdischen Verständnis von Wohltätigkeit ("Zedaka") entsprechend der Handlungsmaxime "Hilfe zur Selbsthilfe". Dies beinhaltet unter anderem die Unterstützung und Förderung der jüdischen Zuwanderer auf ihrem Weg, sich eigenverantwortlich eine Basis für eine neue Existenz in der deutschen Gesellschaft zu schaffen. Alle Maßnahmen der ZWST, sei es soziale Beratung und Betreuung, sei es Aus- und Weiterbildung für unterschiedliche Zielgruppen, seien es Integrationshilfen für Neuzuwanderer - wollen den Menschen befähigen, unabhängig von fremder Hilfe sein Leben zu organisieren. Das Ziel der ZWST ist daher u.a. die effektive Qualifizierung von Multiplikatoren im sozialen Ausbildungswesen, die ihre neuen Kenntnisse und Kompetenzen in den Gemeinden weitergegeben und so einen Beitrag zu einer Netzwerkbildung leisten können. Entsprechend ihrem Leitbild der Zedaka unterstützt die ZWST diese gesellschaftlichen Selbsthilfekräfte in den jüdischen Gemeinden, indem sie neue ehrenamtliche Kräfte rekrutiert und fördert beziehungsweise das bestehende ehrenamtliche Personal der Gemeinden weiter qualifiziert. Das Ehrenamt bedeutet Hilfe zur Selbsthilfe, indem die Freiwilligen an sozialen Diensten mitwirken, von denen sie profitieren können. Die Schaffung sozialer Bindungen und Vernetzungen über ehrenamtliche Hilfe und bürgerschaftliches Engagement leistet einen unverzichtbaren Beitrag zur Integration jüdischer Migranten und stärkt die jüdische Gemeinschaft in Deutschland. Als kleinster der sechs Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege übernimmt die ZWST unauflöslich verflochtene Doppelfunktionen: operative Funktionen als sozialer Dienstleister in den Gemeinden sowie anwaltschaftliche Funktionen als zentrale Koordinationsstelle und Dachverband aller jüdischen Gemeinden und Landesverbände auf dem sozialen Sektor. Aufgrund der kleinen Verbandsgrösse muss jedes Referat und jede Stelle untrennbare multifunktionale Aufgaben wahrnehmen. Dies gilt insbesondere für das Finanzreferat, dessen Mitarbeiter integrative Bestandteile im nicht dividierbaren Funktionengeflecht der ZWST sind und an zentraler Stelle gewährleisten, dass die ZWST ihrem vielfältigen Aufgabenspektrum als Spitzenverband der freien Wohlfahrtspflege im Bundesinteresse nachgehen kann. |
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