ZWST fordert: Menschenrechte stärker in den Fokus europäischer Asyl- und Migrationspolitik rücken

Migration und die Versorgung von Schutzsuchenden gehören zu den zentralen sozialen Themen, die die Arbeit der ZWST als jüdischen Wohlfahrtsverband in ihrer über 100-jährigen Geschichte maßgeblich geprägt und bestimmt haben.


Seit 2018 setzt die ZWST mit ihrer Partnerorganisation IsraAID Germany Projekte im Bereich der psychosozialen Versorgung für geflüchtete Menschen in Nordgriechenland um. Nach der Zerstörung des Flüchtlingscamps Moria im September 2020 und der damit verbundenen Verlegung von unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten auf das griechische Festland haben IsraAID Germany und die ZWST die Aktivitäten auf Einsatzbereiche für unbegleitete Minderjährige ausgeweitet. Dennoch bleibt die Situation für die verbleibenden 7000 Menschen im provisorischen Lager Kara Tepe und auch in weiteren Auffanglagern auf den griechischen Inseln unerträglich. Die Menschen sind der Witterung völlig schutzlos ausgesetzt, Zelte überschwemmen und es fehlen Wärme-, Strom- und Wasserversorgung. Besonders desolat ist dieser Zustand für Familien mit Kindern.

Vollständige Pressemitteilung


Engagement in der Flüchtlingshilfe

Seit 2016 engagiert sich die ZWST gemeinsam mit IsraAID Germany e.V. in Berlin, Brandenburg, Baden-Württemberg, Hessen, NRW und Griechenland, um die interkulturelle psychosoziale Betreuung, Integration und Partizipation von Geflüchteten zu verbessern. IsraAID Germany hat seine Wurzeln in der israelischen Hilfsorganisation IsraAID und kooperiert mit der ZWST auch auf internationaler Ebene, im Rahmen ihrer Mitgliedschaft bei "Aktion Deutschland Hilft" .

Im Projekt „Brückenbau“, finanziert aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, engagiert sich die ZWST gemeinsam mit IsraAID Germany e.V. in Frankfurt, Hattingen und Bochum durch interkulturelle psychosoziale Unterstützung sowie Integrations- und Partizipationsarbeit für Geflüchtete. Der Fokus liegt auf der Arbeit mit Frauen, Kindern, Opfern geschlechtsspezifischer Gewalt sowie weiteren vulnerablen Personengruppen (z.B. LSBTI). Gleichzeitig bieten die Spezialisten von IsraAID Beratungen und Schulungen für die Mitarbeiter von Unterkünften für Geflüchtete an. In NRW und Potsdam wird über ehrenamtliches Engagement das gesellschaftliche Miteinander gefördert. Unter anderem engagieren sich Frauen der Jüdischen Gemeinde Bochum-Herne-Hattingen in einem Bürgerzentrum.

Das Projekt Navigation Berlin, finanziert aus Mitteln des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, basiert auf dem ganzheitlichen Konzept von interkultureller psychischer Gesundheitsversorgung, Traumabewältigung, Empowerment und Integration. Hier werden Geflüchtete dahingehend geschult, in Eigenregie Hilfsprojekte zu initiieren. Sie organisieren psychosoziale Unterstützung in arabischer, deutscher und englischer Sprache und transportieren demokratische Werte, wie z.B. Toleranz gegenüber anderen Religionen, Werten und Kulturen.

Das Projekt Kompass Multiplier, finanziert aus Mitteln von „Aktion Deutschland Hilft“, realisiert die ZWST gemeinsam mit IsraAID Germany e.V. in Berlin. Es richtet sich an motivierte, engagierte Menschen mit Fluchthintergrund, die im Rahmen von Leadership-Gruppen durch professionelle Schulungen, Trainings und Hilfe zur Selbsthilfe dahingehend motiviert werden, eigene Ressourcen aufzubauen und diese im Rahmen sozialer Aktivitäten an die eigene Gemeinschaft und die Mehrheitsgesellschaft (Altenheime, Obdachlosenhilfe etc.) weiterzugeben.

Navigation Greece: Der Erfolg der Projekte in Deutschland veranlasste die ZWST gemeinsam mit IsraAID, auch in Griechenland Geflüchtete als Multiplikatoren zu schulen. Die erfolgreichen Absolventen des Projekts Kompass Greece aus dem Jahr 2018 sind seit 2019 als interkulturelle Begleiter und Übersetzer im Rahmen des Projektes „Navigation Greece“ aktiv. Sie unterstützen psychosoziale Spezialisten von IsraAID Germany dabei, im Rahmen von therapeutischen Prozessen die psychische Gesundheitsversorgung von Familien und unbegleiteten Minderjährigen mit Fluchthintergrund zu verbessern. 
Foto: IsraAID Germany e.V.


Kooperation mit IsraAID Germany e.V.

Im Februar 2016 hat sich der Verein „IsraAID Germany“ in Berlin gegründet, um die psycho-soziale Betreuung von Flüchtlingen in Deutschland zu verbessern. Die Arbeit des Vereins wird getragen vom American Jewish Committee (AJC) und der ZWST. Zum Vorstand gehören: Deidre Berger (AJC), Maria Boettche (Zentrum Überleben), Aron Schuster (ZWST), Direktor: Gal Rachmann (IsraAID).
Broschüre IsraAID Germany e.V. - Hier downloaden


Seenotrettung als völkerrechtliche Pflicht

Mitgliedsorganisationen von Aktion Deutschland Hilft unterstützen SOS MEDITERRANEE

Seit Anfang August 2019 hat die europäische Seenotrettungsorganisation SOS MEDITERRANEE mit ihrem neuen Rettungsschiff „Ocean Viking“ ihren Einsatz zur Rettung von Schiffsbrüchigen im zentralen Mittelmeer wieder aufgenommen. Mehrere Mitglieder des Hilfebündnisses „Aktion Deutschland Hilft“, die Organisationen ADRA Deutschland e.V. (Adventist Development and Relief Agency), AWO International e.V., die Kinderhilfswerk Stiftung Global-Care sowie die ZWST fördern den Einsatz von SOS MEDITERRANEE. Die Hilfsorganisationen stellen sich öffentlich hinter die Arbeit der zivilen Seenotretterinnen und -retter, die sie bereits im Jahr 2018 unterstützten.

Dazu Aron Schuster, Direktor der ZWST:
„´Wer auch nur ein einziges Leben rettet, rettet die ganze Welt`. Dieses Zitat aus dem Talmud bildet ein Leitmotiv unseres Handelns. Wir dürfen nicht tatenlos zusehen, wie tausende von Menschen im Mittelmeer ertrinken. Die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland sieht Seenotrettung als völkerrechtliche Pflicht und unterstützt daher den Einsatz der Ocean Viking.“

Aktuelle Pressemitteilung von SOS MEDITERRANEE hier

 Foto: Flavio Gasperini/SOS MEDITERRANEE


Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer (MBE)

Die bedarfsorientierte und individuelle Migrationsberatung der ZWST fördert die gesellschaftliche Integration von Zugewanderten. Die ZWST berät und begleitet Menschen an 15 Standorten mit 17 Mitarbeitenden in Voll- und Teilzeitbeschäftigung. Im Jahr 2020 wurden 3379 Personen durch die Mitarbeitenden der ZWST unterstützt. Dies entspricht einem Beratungsaufkommen von über 280 Fällen pro Vollzeitkraft. Bundesweit, bei allen beteiligten Verbänden existieren 1064 Vollzeitstellen an 1490 Standorten.
Ein notwendiger und wichtiger Partner der Migrationsberater:innen sind die jüdischen Gemeinden in der jeweiligen Region. Ein Grundprinzip der Migrationsberatung ist die Unterstützung der Migrant:innen dabei, eigene Fähigkeiten zu nutzen, um ihren Alltag selbstständig regeln und organisieren zu können. Eine gezielte und zeitlich begrenzte Einzelfallbegleitung ermittelt die Potenziale und stellt individuelle Integrationsmaßnahmen zusammen. Die Migrationsberatung baut auf den vorhandenen Ressourcen der Zugewanderten auf und begleitet sie dabei, eventuelle Probleme mittels bestehender Hilfsangebote eigenständig zu lösen ("Ressourcenorientierung anstelle von Defizitorientierung"). Die Migrationsberater:innen der ZWST fungieren als "Integrationslotsen", die den Ratsuchenden zur Seite stehen.
Zum Angebot gehört die erforderliche Supervision, Austausch und regelmässige Weiterbildung des MBE-Teams. Bei der MBE handelt es sich um ein Unterstützungsangebot des Bundes, die Zuständigkeit liegt beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.
 
Ansprechpartner MBE:
Günter Jek
Tel.: 030 / 257 60 99 20
E-Mail: jek@zwst.org
 
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